Haruki Murakami | Kafka am Strand
"Oshima sieht mir in die Augen. "Weißt du, mein lieber Kafka, was du augenblicklich empfindest, ist das Thema vieler griechischer Tragödien. Nicht der Mensch bestimmt sein Schicksal, sondern sein Schicksal bestimmt ihn. Diese Weltsicht liegt den griechischen Tragödien zugrunde. Und die Tragödien werden - nach der Definition von Aristoteles - paradoxerweise eher von den Vorzügen der Betroffenen ausgelöst als von ihren Mängeln. Verstehst du, was ich meine? Nicht durch seine Fehler, sondern durch seine Qualitäten wird der Mensch in die große Tragödie hineingezogen (...)." (s. 275)
""Mit fünfzehn habe ich mir auch immer gewünscht, in eine andere Welt zu gehen." Frau Saeki lächelt. "An einen Ort so weit, dass keine Hand ihn erreicht, und an dem die Zeit nicht verfließt."
"Aber einen solchen Ort gibt es nicht auf dieser Welt."
"Genau. Deshalb muss ich ja auch hier leben, wo die Menschen Schaden erleiden, die Herzen sich wandeln und die Zeit unaufhaltsam vergeht." Eine Weile schweigt sie, wie um den Fluss der Zeit zu unterstreichen. Dann fährt sie fort. "Doch, ich glaube, wenn man fünfzehn ist, gibt es bestimmt irgendwo auf der Welt einen solchen Ort. Und du kannst den Eingang zu dieser anderen Welt irgendwo entdecken."" (s. 340/41)
"Auf der Welt gibt´s eben verdrehtes Zeug."
"Wie?"
"Du kapierst das nicht, aber durch das Verdrehte erhält die Welt erst ihre dreidimensionale Tiefe. Wenn man alles gerade haben will, muss man in einer rechtwinkligen Welt wohnen."" (s. 355)
"Nach dem Essen hörte er wieder das "Erzherzog-Trio".
"He, Stein, alter Junge", sagte Hoshino am Ende des ersten Satzes. "Ist das nicht eine tolle Musik? Geht dir nicht das Herz auf, wenn du das hörst?"
Der Stein schwieg. Der junge Mann wusste nicht, ob Steine Musik hören können oder nicht. Trotzdem redete er unverdrossen weiter auf den Stein ein.
"Du hast es den ganzen Vormittag über gehört - bis jetzt habe ich ziemlich viel Mist gebaut. Nur an mich gedacht. Das kann ich jetzt nicht mehr rückgängig machen, stimmt´s? Aber wenn ich diese Musik höre, habe ich das Gefühl, als würde Beethoven zu mir sagen: 'He, Hoshino, mein Junge, es kommt eben so, wie es kommt. So ist das Leben. Ich hab selber ziemlich viel Mist gemacht. Nicht zu ändern. Schicksal. Also, halt jetzt einfach mal die Ohren steif.' Natürlich würde einer wie Beethoven nicht predigen, aber irgendwie kommt´s mir so vor, als würde er mir das vermitteln wollen. Dir nicht auch?"
Der Stein schwieg.
"Macht nichts", sagte der junge Mann. "Das ist ja auch nur meine persönliche Meinung. Dann hören wir eben zu, ohne uns zu unterhalten."" (s. 585)
es läßt einen rätseln; rätseln über die zusammenhänge und bedeutungen. allegorisch bis zum anschlag. und mystisch.
""Mit fünfzehn habe ich mir auch immer gewünscht, in eine andere Welt zu gehen." Frau Saeki lächelt. "An einen Ort so weit, dass keine Hand ihn erreicht, und an dem die Zeit nicht verfließt."
"Aber einen solchen Ort gibt es nicht auf dieser Welt."
"Genau. Deshalb muss ich ja auch hier leben, wo die Menschen Schaden erleiden, die Herzen sich wandeln und die Zeit unaufhaltsam vergeht." Eine Weile schweigt sie, wie um den Fluss der Zeit zu unterstreichen. Dann fährt sie fort. "Doch, ich glaube, wenn man fünfzehn ist, gibt es bestimmt irgendwo auf der Welt einen solchen Ort. Und du kannst den Eingang zu dieser anderen Welt irgendwo entdecken."" (s. 340/41)
"Auf der Welt gibt´s eben verdrehtes Zeug."
"Wie?"
"Du kapierst das nicht, aber durch das Verdrehte erhält die Welt erst ihre dreidimensionale Tiefe. Wenn man alles gerade haben will, muss man in einer rechtwinkligen Welt wohnen."" (s. 355)
"Nach dem Essen hörte er wieder das "Erzherzog-Trio".
"He, Stein, alter Junge", sagte Hoshino am Ende des ersten Satzes. "Ist das nicht eine tolle Musik? Geht dir nicht das Herz auf, wenn du das hörst?"
Der Stein schwieg. Der junge Mann wusste nicht, ob Steine Musik hören können oder nicht. Trotzdem redete er unverdrossen weiter auf den Stein ein.
"Du hast es den ganzen Vormittag über gehört - bis jetzt habe ich ziemlich viel Mist gebaut. Nur an mich gedacht. Das kann ich jetzt nicht mehr rückgängig machen, stimmt´s? Aber wenn ich diese Musik höre, habe ich das Gefühl, als würde Beethoven zu mir sagen: 'He, Hoshino, mein Junge, es kommt eben so, wie es kommt. So ist das Leben. Ich hab selber ziemlich viel Mist gemacht. Nicht zu ändern. Schicksal. Also, halt jetzt einfach mal die Ohren steif.' Natürlich würde einer wie Beethoven nicht predigen, aber irgendwie kommt´s mir so vor, als würde er mir das vermitteln wollen. Dir nicht auch?"
Der Stein schwieg.
"Macht nichts", sagte der junge Mann. "Das ist ja auch nur meine persönliche Meinung. Dann hören wir eben zu, ohne uns zu unterhalten."" (s. 585)
es läßt einen rätseln; rätseln über die zusammenhänge und bedeutungen. allegorisch bis zum anschlag. und mystisch.
seifenblasenpusterin in verlesenes - 24. Februar, 11:08

