oO°verlesenes
"Er trat auf mich zu und sagte mit leiser Stimme etwas, das mir ein wenig Angst einjagte: 'Vergiss nicht, Amir Aga. Es gibt kein Ungeheuer, bloß einen wunderschönen Tag.'" (s. 69)
"Ich steckte das Foto unter das Kissen zurück. Plötzlich fiel mir noch etwas auf: nämlich, dass mich dieser letzte Gedanke gar nicht schmerzte. Ich zog die Tür zu Suhrabs Zimmer hinter mir zu und fragte mich, ob womöglich gerade auf diese Weise Versöhnung zustande kommt. - eben nicht mit dem Fanfarenstoß göttlicher Inspiration, sondern ganz heimlich, wenn der Schmerz nachlässt und sich unversehens mitten in der Nacht davonmacht." (s. 365)
2 bubbles |
pusten || 0 Trackbacks
"Kasper hatte die Vertrautheit seiner Eltern hören können, auch die Leidenschaft, die Vorsicht. Er hätte es nicht in Worte fassen können. Aber er hatte gespürt, wenn man ein Zuhause erleben will, das tief und offen und natürlich ist, wie Bachs Musik und die großen Katzen der Savanne, dann kostet es was, dann kostet es das Risiko, sein Leben in der Nähe zweier Pole zu verbringen, deren Spannungsunterschied hoch ist." (s. 285)
"Gebrauchen wir die Worte nicht in erster Linie, um die Wirklichkeit aufrechtzuerhalten? Damit wir nicht sehen müssen, was sich auf der anderen Seite verbirgt?" (s. 293)
"Oshima sieht mir in die Augen. "Weißt du, mein lieber Kafka, was du augenblicklich empfindest, ist das Thema vieler griechischer Tragödien. Nicht der Mensch bestimmt sein Schicksal, sondern sein Schicksal bestimmt ihn. Diese Weltsicht liegt den griechischen Tragödien zugrunde. Und die Tragödien werden - nach der Definition von Aristoteles - paradoxerweise eher von den Vorzügen der Betroffenen ausgelöst als von ihren Mängeln. Verstehst du, was ich meine? Nicht durch seine Fehler, sondern durch seine Qualitäten wird der Mensch in die große Tragödie hineingezogen (...)." (s. 275)
""Mit fünfzehn habe ich mir auch immer gewünscht, in eine andere Welt zu gehen." Frau Saeki lächelt. "An einen Ort so weit, dass keine Hand ihn erreicht, und an dem die Zeit nicht verfließt."
"Aber einen solchen Ort gibt es nicht auf dieser Welt."
"Genau. Deshalb muss ich ja auch hier leben, wo die Menschen Schaden erleiden, die Herzen sich wandeln und die Zeit unaufhaltsam vergeht." Eine Weile schweigt sie, wie um den Fluss der Zeit zu unterstreichen. Dann fährt sie fort. "Doch, ich glaube, wenn man fünfzehn ist, gibt es bestimmt irgendwo auf der Welt einen solchen Ort. Und du kannst den Eingang zu dieser anderen Welt irgendwo entdecken."" (s. 340/41)
"Auf der Welt gibt´s eben verdrehtes Zeug."
"Wie?"
"Du kapierst das nicht, aber durch das Verdrehte erhält die Welt erst ihre dreidimensionale Tiefe. Wenn man alles gerade haben will, muss man in einer rechtwinkligen Welt wohnen."" (s. 355)
"Nach dem Essen hörte er wieder das "Erzherzog-Trio".
"He, Stein, alter Junge", sagte Hoshino am Ende des ersten Satzes. "Ist das nicht eine tolle Musik? Geht dir nicht das Herz auf, wenn du das hörst?"
Der Stein schwieg. Der junge Mann wusste nicht, ob Steine Musik hören können oder nicht. Trotzdem redete er unverdrossen weiter auf den Stein ein.
"Du hast es den ganzen Vormittag über gehört - bis jetzt habe ich ziemlich viel Mist gebaut. Nur an mich gedacht. Das kann ich jetzt nicht mehr rückgängig machen, stimmt´s? Aber wenn ich diese Musik höre, habe ich das Gefühl, als würde Beethoven zu mir sagen: 'He, Hoshino, mein Junge, es kommt eben so, wie es kommt. So ist das Leben. Ich hab selber ziemlich viel Mist gemacht. Nicht zu ändern. Schicksal. Also, halt jetzt einfach mal die Ohren steif.' Natürlich würde einer wie Beethoven nicht predigen, aber irgendwie kommt´s mir so vor, als würde er mir das vermitteln wollen. Dir nicht auch?"
Der Stein schwieg.
"Macht nichts", sagte der junge Mann. "Das ist ja auch nur meine persönliche Meinung. Dann hören wir eben zu, ohne uns zu unterhalten."" (s. 585)
es läßt einen rätseln; rätseln über die zusammenhänge und bedeutungen. allegorisch bis zum anschlag. und mystisch.
2 bubbles |
pusten || 0 Trackbacks
"'Gibt es eine Möglichkeit, sein Schicksal zu ändern?' fragte sie leise, ohne den Kopf zu drehen.
'Nein.' Der Fischer Ambrosius schüttelte langsam den Kopf und fügte fast unhörbar hinzu: 'Aber es könnte schon sein, dass ein anderes Schicksal wartet, wenn man das erste hinter sich hat.'" (s. 325)
auch wenn ich nicht an schicksal glaube... an das buch schon. unglaublich gut nämlich ;)
2 bubbles |
pusten || 0 Trackbacks
"Ich lächle immer noch Menschen in der Hoffnung an, dass sie mich akzeptieren. Während ich lächle, denke ich, dass ich gerne meine Ruhe hätte wie Sunilas Vater, im Zwielicht eines Zimmers hockend, das mit Dingen vollgestopft ist, die ich so gut kenne, dass ich nur ihre Oberfläche berühren brauche, und mit Musik, die in diesem Raum ganz einfach und schön ist, jedoch vollkommen undurchdringlich, sobald sie ins Licht geholt wird, wo sich so vieles abspielt und verflacht wird." (s. 214)
ansonsten ist an diesem buch die covergestaltung leider fast schon das beste.
"Sie hatte überlegt, in anfänglichem Leichtsinn überlegt, ob sie eine Höhle oder einen Turm bauen sollte, eine Höhle oder einen Turm - ja, einen Turm aus vielen Gründen, aber hauptsächlich, weil sie Wendeltreppen mochte.
Als die Zeit verging und sie über das Für und Wider von beidem nachdachte, wurde der Gedanke an einen Turm immer aufregender; eine Sternguckplattform obenauf; eine stille, mit Büchern ausgekleidete Bibliothek mit einem Ring von Schwertern unten um die Wand herum; ein Schlafzimmer im Stil des Mittelalters mit schweren Deckenbalken und einem einfachen Bett aus grobem Holz; es gäbe ein Wohnzimmer mit einem rieseigen offenen Kamin und Reihen von Gewürzgläsern an einer Wand und darunter, im Erdgeschoß, eine Eingangshalle mit Wandteppichen und dem Beginn der Wendeltreppe, deren Geländer mit Delphinköpfen die Luft grüßen." (s. 18)
"Es gibt, wenn man durch Licht schreitet, einen Augenblick, in dem man in seinem eigenen Schatten geht." (s. 620, der schlüsselsatz)
sonst keine bookmarks, denn es ist zu
gewaltig -
wortgewaltig
bildgewaltig
sinngewaltig.
ich bookmarke es im ganzen,
jede der 649 seiten -
die mich nicht erst erreichen mußten; sie waren immer schon bei mir. so fühlt es sich an.
in diesem buch finde ich antworten. es wird mich nicht mehr verlassen.
"Gegenüber ihren Eltern hatte Madelene nie den Mut zum Protest gefunden. Mit einem gewissen Trotz, doch ohne einen Ausweg zu sehen, war sie die geebneten, gebahnten und abgesteckten Wege gegangen. Aber sie hatte gequält, richtungslos und heftig von der Möglichkeit eines anderen Lebens geträumt. In diesen Traum war Adam Burden eingetreten, ein freundlicher, aufmerksamer und nicht ungefährlicher Mann auf dem Weg zu neuen Ufern, und Madelene war sofort aufgesprungen, wie die Prinzessin, die sich auf den Schimmel heben läßt, und zugleich wie eine hoffnungslos Schiffsbrüchige und bereits zu Dreiviertel Ertrunkene, die nach einem plötzlich aufgetauchten Rettungsring greift." (s. 32/33)
"Sie verbrachten noch zwei weitere Jahre in der Schule, bevor es schiefging, und während dieser Zeit blieben sie im großen und ganzen unbemerkt. Ihre Umgebung verstand sie nicht, und das Unverständliche ist immer unsichtbar." (s. 44)
"Sie drehte sich zu dem Affen um.
"Es gibt kein Draußen mehr", sagte sie. "Wenn es noch eine Freiheit gibt, muß sie drinnen zu finden sein."" (s. 95)
erst sehr beklemmend, dann sehr überraschend und perspektiven verschiebend. høeg eben; einer der besten.
7 bubbles |
pusten || 0 Trackbacks
""Mein Großvater ist in Neapel geboren", sagte Carol. "Ich weiß nicht viel über ihn, nur, daß er mir beigebracht hat, Schach zu spielen, und jedesmal, wenn wir fertig waren und die Figuren weglegten, sagte er dasselbe - ich höre noch heute seine sanfte Stimme: "Siehst du, Carol, das Schachspiel ist wie das Leben: Wenn das Spiel vorbei ist, wandern sämtliche Figuren - die Bauern und die Könige und die Königinnen - wieder in dieselbe Schachtel." Das ist auch für Sie eine gute Lektion, über die Sie einmal nachdenken sollten, Marshall: Bauern und Könige und Königinnen wandern am Ende des Spiels alle in dieselbe Schachtel zurück. Wir sehen uns dann morgen wieder. Um dieselbe Zeit."" (s. 528)
so ganz nett und gefällig, aber bei weitem kein knaller, das buch.
"Doch Nörgeln ist eine Strategie der Machtlosen, es hat nichts Geheimnisvolles." (s. 83)
""Ich bin davon überzeugt, dass die Vermischung ein Schlüsselbegriff ist. Er funktioniert besser als Suggestion, die einseitig ist. Er erklärt das, worüber Menschen selten sprechen, weil wir uns als isoliert definieren, als geschlossene Körper, die aufeinander prallen, aber geschlossen bleiben. Descartes hatte Unrecht. Es muss nicht heißen: Ich denke, also bin ich. Es muss heißen: Ich bin, weil du bist. Das ist Hegel, na ja, die Kurzfassung."" (s. 121)
ist im übrigen die lebensgefährtin von paul auster. war zufall... zufällig danach gegriffen. vielleicht aber war da doch irgendwo ein echo in mir.
"Madicken vänjer sig aldrig vid att farbor Nilsson pratar så där konstigt. Hon vet aldrig vad hon ska svara. Konstiga namn på folk har han också. När det ska vara riktigt fint, får Madicken heta Stolts Jungfrun på Junibacken, Alva har han döpt till Junibackens Ängel och Lisabet till Junibackens Pims, varför vet ingen, mamma kallar han Fina Frun på Junibacken och pappa Herrskapssocialisten. Tant Nilsson har han flera namn på. Du Hjärtans Tröst och Lilja får hon heta, när han är glad, och Arkemaran, när han är arg och dyster, och så Virrepäran, när han tycker att hon rör ihop allting och inte fattar och förstår lika bra som han själv. Och när farbror Nilsson talar om Lille Söte Kattoxen, så är det Abbe han menar, annars kallar han honom bara "min son", och det låter som nånting fint när han säjer det." (s. 190)
ich meine die sache mit dem sohn. fiel mir gerade ein. mein sohn...